Electronic

Quo Vadis „Spinnin‘ Records“?

Die Koryphäe der weltweiten EDM Labels findet immer weniger Zuspruch – geht die Reputation eines Giganten langsam zugrunde?

Jeder, aber wirklich JEDER, der jemals etwas mit House zu tun hatte, kennt es: das große, umgedrehte „S“, das Erkennungssymbol des Musiklabels „Spinnin‘ Records“, „Spinnin‘ Rec“, oder kurz „Spinnin“. Spinnin‘ ist das bekannteste EDM Label auf der ganzen Welt. Jeder House-Musiker träumt davon, einen Track auf diesem Label zu releasen, selbst wenn es nur eines der „Sub-Labels“ (Oxygen, Maxximize etc.) ist. Trotz allem kämpft Spinnin‘ zurzeit um die Anerkennung der früheren Zeiten. Also, quo vadis (lat. „wo gehst du hin?“) Spinnin‘?

Sinkende Resonanz im Internet

„So this what Spinnin has finally came to…“ , „Spinnin Is dead“, „Embarrassing“ – Das sind nur drei von hunderten Kommentaren, die sich User aus der ganzen Welt unter dem letzten Facebook Video von Spinnin‘ erlauben. Auf diesem Video announced das Label seine neueste „Kreation“ in Form von „Macarena“ von Jody Bernal & Billy The Kit feat. Nicole Jung. Moment mal. Macarena? EDM? Schon beim Wort „Macarena“ klingeln einem die Alarmglocken.

Facebook Kommentare unter dem „Macarena“ Spinnin‘ Post.

Direkt flattert einem das Bild von Menschenmassen, die ihre Hände im berühmten Tanz auf den Kopf, Schultern und Hüften bewegen, vors Auge. Das Original kam im Jahre 1993 von Los del Rio auf den Markt und erzählt witzigerweise die Geschichte einer Frau, die einen Dreier mit den besten Freunden ihres Beziehungspartners hat, während dieser sich außerhalb der Stadt befindet. Das Genre ist unverwechselbar: Pop. Was hat dies also auf Spinnin‘ zu suchen?

Weltweiter Aufstieg

Beamen wir uns zurück zu den „Anfängen“ von Spinnin‘ Records. 1999 in den Niederlanden gegründet (Kenner würden jetzt fragen: „Wo denn sonst?“), brachte Spinnin‘ Records im Jahre 2010 ihren ersten weltweiten Charts-Breaker mit „We No Speak Americano“ von Yolanda Be Cool, welcher sich in Deutschland 33 Wochen in den Charts hielt, heraus. Viele kannten bis dato den Namen „Spinnin‘ Records“ überhaupt nicht. Im selben Jahr rauschte „Barbara Streisand“ von Duck Sauce durch die deutschen Radios – ebenfalls released von Spinnin‘! Zu guter Letzt verschlug Martin Solveigs „Hello“ das Label in den endgültigen Erfolg der weltweiten Charts.

Doch das wahre Jahr des „EDM Spinnin“ war das Jahr 2013. Jeder kennt „Animals“ von Martin Garrix. In diesem Jahr ging auch das große „S“ auf dem Liedcover weltweit durch die Bildschirme. Der Aufstieg von Facebook und YouTube ermöglichte dem Label so nicht nur Radio-, sondern zunehmende Internetpräsenz. So kamen auch die ganzen früher releasten Meisterwerke ans Licht, z.B. Mammoth von Dimitri Vegas & Like Mike aus dem Jahr 2012.

Bildquelle: Genius.com
Das berühmte „S“, welches 2013 um die Welt zog.

Seitdem begann der große Ansturm auf das holländische Label. Deutsche Künstler wie die Ostblockschlampen, Tujamo oder auch Niels Van Gogh haben es geschafft, Lieder auf Spinnin‘ Records zu releasen. Spinnin‘ hatte Künstler wie Afrojack, Fedde le Grand, R3hab, KSHMR und Tiësto unter Vertrag. Fast jedes Lied, welches auf großen Festivals lief, war in irgendeiner Weise mit Spinnin‘ verbunden. Was also geschah mit Spinnin Records?

Erste Unruhen

2017 verkündete das Major Label „Warner Music Group“ die Übernahme von Spinnin‘ Records für über 100 Millionen US-Dollar. Direkt darauf entschied sich auch Co-Gründer von Spinnin‘, Eelko van Kooten, dass er so nicht weitermachen möchte und verließ das Label. Als wenn das nicht schon genug war, trennte sich Martin Garrix überraschenderweise von Spinnin‘ und verklagte Warner auf ca. 4,5 Mio. US-Dollar. Nach Hits wie „Wizard“ und „Virus“ hatte er auch durch die Verbreitung des Labels weltweiten Ruhm erlangt, wurde aber letztendlich von Spinnin‘ und Warner nach eigenen Worten „enttäuscht“.

Aktuelle Lage

Durch die Übernahme von Warner begann Spinnin‘ auch mit Releases von eher „unbekannten“ Genres und Künstlern. Trotz der Tatsache, dass Labels von weltbekannten Künstlern, wie z.B. DOORN Records (Sander Van Doorn), Hexagon (Don Diablo), Heldeep Records (Oliver Heldens) oder Maxximize (Blasterjaxx), alles Sublabels von Spinnin‘ sind, kann man sich trotzdem nicht damit anfreunden. Wenn man sich Releases wie „Blow“ von Yves V und Marc Benjamin anhört, versteht man die Welt nicht mehr. Mit der Aufnahme von den „Afro Bros“ kam auf einmal auch Moombahton auf die Oberfläche. Ein Genre, welches eher bei den Kollegen des Hip-Hops bevorzugt wird. Genialer Schachzug oder ging der Schuss nach hinten los?

Quantität oder Rückzug?

Schaut man sich die Facebook-Seite von Spinnin‘ an, so sieht man alle 3 Stunden irgendein neues Preview. Somit bestätigt sich der Verdacht, dass das Label mittlerweile auf Quantität statt Qualität setzt – keine großen Namen, keine im Kopf bleibenden Melodien, dafür aber quer zusammengewürfelte Genres und viel Stoff.

Bildquelle: yandex.ru
Das Cover zum neuen „unbeliebten“ Release von Spinnin‘ Records: Macarena

Immer weniger „große“ Künstler releasen auf Spinnin‘, sondern gehen entweder zu den Sub-Labels oder zur Konkurrenz. Durch diese Entwicklung könnte man meinen, dass Spinnin‘ selber eher dazu neigt, sich langsam in den Hintergrund zurückzuziehen. Wozu dann aber so viele neue, zu 80% qualitativ unbrauchbare Tracks rausbringen? Hat Warner mit der „Major Label Strategie“ den weltweiten Erfolg und somit auch die Reputation von Spinnin‘ Records gebrochen?

Zu guter Letzt

Bei „Alteingesessenen“ House-Fanatikern wird der Name „Spinnin Records“ trotz allem immer ein großer Name sein. Dieses Label hat viele Menschen durch die Jugend begleitet, das House Genre näher gebracht, ja, das Genre lieben gelernt. Das heutige Spinnin‘ ist trotz allem leider für viele aber auch eine Enttäuschung, welche die großen Releases aus den Jahren 2012-2015 vermissen lässt.

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Igor
Igor
"Nur Bart reimt sich auf Hart, Zart reimt sich auf Glattrasiert!" Igor, 24, Ukrainer, Troubleboi, Bigroom-Fanatiker, leidenschaftlicher DJ.

Ein Kommentar bei “Quo Vadis „Spinnin‘ Records“?”

  1. Klingt alles sehr interessant und es wurde auch sehr ausführlich geschrieben. (Gefällt mir 😉 )
    Ich kenne mich in diesem Bereich nicht sonderlich gut aus, deshalb danke sehr für diese ganzen Informationen, die du geschrieben hast 🙂

    Ich finde es sehr gut, dass du näher in das Thema eingehst und wichtige Fakten nennst, die erwähnenswert sind ^^
    Wie schon erwähnt: Kenne ich mich nicht sonderlich gut darin aus, deshalb kann ich hier leider keinen ewig langen Kommentar hinterlassen 😀 😀

    Danke sehr für diesen Artikel voller wichtigen Informationen!

    LG
    Sarah

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